Yael Bartana
Trembling Time
Trembling Times
one channel video and sound installation
6:20 Min., 2001
In der Video-Arbeit Trembling Time fängt die Kamera von einer Brücke aus die kollektive Erinnerungshandlung am Yom HaZikaron, dem israelischen Soldatengedenktag, auf einer viel befahrenen Schnellstraße ein. An Yom HaZikaron wird mit einer landesweiten Schweigeminute zum Klang von Sirenen an die Menschen erinnert, die in Kriegen gefallen oder Opfer von Terrorangriffen geworden sind. Dieselbe kollektive Erinnerungshandlung findet eine Woche zuvor am Yom HaShoa statt, dem Gedenktag für die Opfer der Shoa. Beide Schweigeminuten unterbrechen den Alltag und das öffentliche Leben in Israel.
Yael Bartana verfremdet den Blick der Kamera, indem sie Zeit und Raum verzerrt, verdichtet und überlagert. Die Bilder der Fahrzeugkörper und der aus ihnen aussteigenden Menschen werden geschichtet, überblendet und mit dem fortlaufenden Rauschen der Sirenen in hoher Frequenz verwoben. Die Video-Arbeit dauert länger als das Ereignis der Schweigeminute.
Trembling Times thematisiert die Unfinalisierbarkeit von Erinnerung und den re-konfigurativen Prozess von Vergegenwärtigung in der jüdischen kommemorativen Praxis. Mit dem Changieren zwischen Schärfe und Unschärfe lässt die Video-Arbeit Zwischen-Räume entstehen. Die an eine Traumsequenz erinnernden Bilder und der Sound lenken die Aufmerksamkeit auf das Spannungsverhältnis zwischen normativem, staatlich gelenktem Erinnerungsritual und individuell körperlicher Emotion des Erinnerns.
Text von Sofie Luckhardt
Ko-Kuration: Franka Schlupp